Montag, 10. Oktober 2016

Ephemere



Die Anwesenheit des Abwesenden

Wenn der Wind in wellenhaften, sanften Böen von Süden kommend, nach  sehnsüchtiger Ferne riechend, Meer und Salz  in sich tragend, abbiegt und in mein kleines Tal fährt, frisch und dennoch nicht kalt, sich unter meinem Rock fängt, den Saum ein wenig hebt, keck und ungefragt, meine Innenschenkel streichelt, dreist wie die Hände eines Unbekannten, große, weiche Hände voll zupackender Kühle, wenn all diese Empfindungen sich einstellen, stehe ich in meinem Garten, die harten, blank weißen Steinplatten unter meinen Füßen und bin voll gespannter Unruhe, wann der nächste Luftstrom wieder eintreffen wird, um in mir die immer wiederkehrende Lust nach Weite, Aufbruch und den Blick auf´s Meer neu zu wecken.

Mein sanft, cremig schimmernder Seidenslip reagiert da noch einmal anders; er, der das Bein mit einem Volant umspielt, touchiert bei jedem Schritt genau jene Stelle, an welcher sich die Wölbung des Po in den Schenkel einfügt, dort, wo zärtliche Berührungen mit nur einem Finger die Mondsichel nachzeichnen, erwidert er den Luftzug mit einem feinen Wippen seines geschmeidig, glänzenden Gewebes.

Obwohl mein glatter Hintern unter der plissierten Seide beschützt, spüre ich doch wie feine Härchen sich gegen den zarten Stoff stemmen, ihn auf Abstand bringen und sich der luftigen Vereinnahmung widersetzen, wie sich, den Blick nach vorne gerichtet, mein gold -blondes Vlies widerspenstig zeigt, so sehr macht mich der nahende Herbst schaudern.

Mein Körper will noch nicht in die kommende Kühle einwilligen, die sich schon im Südwind ankündigt und ein wenig ambigue zwischen Flucht ins Warme und zugleich voller Widerständigkeit den Schauer jeder neuen Böe auskostend, überlasse ich mich meinem Stimmungsgarten, der Unstetigkeit der Lüfte anheim gegeben.



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